nebenbei

Das Harmonium

oder das weitergereichte schlechte Gewissen

Eine Unterhaltung im örtlichen Bioladen

Die Kundin berichtet der Ladnerin von ihrem Entschluss, sich endlich endlich vom defekten Harmonium zu trennen. Es sei zwar nicht das allerschlechteste, immerhin ein Schiedmayer, aber, so habe ein junger Sammler sie wissen lassen, sowas stehe in jedem Dorf auf zig Dachböden, man müsse sich nur am Ortseingang aufstellen und "Harmonium" raunen...

Der Entschluss zieht mannigfache Folgen nach sich:
  • eine Sperrmüll-Karte Kategorie "Restmüll" (auch wenn das Instrument aus Holz sei: "das kommt bei uns in den Restmüll!!!", wurde die Kundin ungnädig vom zuständigen Resteverwertungs-Müllmann beschieden), Kostenpunkt 10 Euro bis einen halben Kubikmeter, 20 Euro bis einen Kubikmeter (das Harmonium misst 0,8 Kubikmeter...), muss ausgefüllt und die Antwort abgewartet werden
  • der Nachbar muss davon überzeugt werden, dass es eine gute Tat ist, am Tag X beim Transport treppab behilflich zu sein. Am Tag X selbst muss
  • das Schuhschränkchen ganz nach hinten in den Flur geschoben werden
  • der Bücherschrank mit den Instrumenten für die Musikalische Früherziehung, ebenfalls auf dem Flur ansässig, leergeräumt und ganz tief in die Küche hineingeschoben werden
  • der Krimskramsschrank auf dem obersten Treppenabsatz, gleich vor der Wohnungstür, ebenfalls leergeräumt und ebenfalls in die Küche hineingeschoben werden (da reicht dann so grade mal eben über die Türschwelle)
  • die Kartons auf dem zweitobersten Treppenabsatz, die darauf warten, dass längst Überflüssiges aus dem fraglichen Zimmer in ihnen zum Altpapier transportiert werde, müssen irgendwo in der Wohnung zwischengelagert werden
Und das alles nur, weil Herr Klappspaten, Vorbesitzer des Harmoniums, sein schlechtes Gewissen wegen fortschreitender Harmoniumzerstörung beruhigen wollte, indem er das defekte Teil anderen aufschwatzte.

Und das ging so:
Klappspaten, ehemaliger Vermieter meines Bruders und seines Zeichens Klavierbauer, also durchaus in der Lage, das Harmonium in spielbarem Zustand an den Mann rsp. die Frau zu bringen, findet eines Tage: das Dingens muss weg. Von jetzt auf nachher. Keine Zeit mehr (ach?), sich umzuhören, wer das gute, damals noch intakte (!!!) Stück denn gerne in Pflege nehmen würde.

Da es aber auch etwas peinlich wäre, ein voll funktionsfähiges Instrument mal eben beim Sperrmüll vorbeizubringen - ganz abgesehen davon, dass dazu ein passendes Fahrzeug vonnöten wäre (Kangoo reicht definitiv nicht) - stellt Klappspaten das gute Stück in den Garten! Wo es beregnet und schließlich von dümmlichen Kindern mehr oder weniger aller seiner Züge beraubt wird.

Dieser Anblick zerstört beinahe Klappspatens empfindsame Seele. Abhilfe muss her, sofort, von jetzt auf nachher. Klappspaten liegt, wie naheliegend, meinem Bruder in den Ohren, der wiederum mir, und so nimmt das Unheil seinen Lauf.

Als das Dingsbums nach viel Umräumarbeiten (siehe oben) endlich in meinem Wohnzimmer steht und die Ausmaße der Zerstörung, zuvor als bedeutungslos dahingesäuselt, sichtbar werden, fühlt sich Klappspaten doch etwas unbehaglich. Er beeilt sich etwas von einem Reparturangebot fallsermalindergegendseioderso zu murmeln. Und ward nicht mehr gesehen.

smilie

Mein Bruder ist dann auch ausgezogen, btw.

Eigentlich ist es wirklich schade um das Harmonium, denn, wie gesagt, es ist nicht von ganz schlechten Eltern. Andererseits sehe ich nicht ein, weshalb ich mich mit anderer Leute an mich weitergereichtem schlechtem Gewissen auch nur einen weiteren Tag belasten sollte.

Zumal ich den Platz auch anderweitig brauchen kann. Zum Beispiel für einen zweiten Sessel, eines der beiden Gesellenstücke meines Vaters, die ich beide ganz bestimmt nicht weggeben werde, come hell or high water. Der steht nun seit dem Wiedereinzug meiner Tochter in meinem Musikschul-Arbeitszimmer und verhindert durch seine Anwesenheit, dass dort endlich einmal so aufgeräumt wird, dass ich die vielen Dinge für meine tägliche Arbeit auch übersichtlich und griffbereit aufbewahren kann.

Die Ladnerin darauf: das komme ihr auch bekannt vor. Sie hätten dasselbe Problem. Und hauptsächlich scheitere die Umsetzung des eigentlich schon lange als richtig erkannten Entschlusses - weg damit, wieso haben wir uns überhaupt breitschlagen lassen, anderer Leute schlechtes Gewissen zu übernehmen? - ebenfalls daran, dass man das Dingsbums kaum problemlos wieder zur Wohnung hinausbekommt. Und daran, dass man sich mittlerweile daran gewöhnt hat, die Ablagefläche zu nutzen, die so ein solides Stück Holz bietet. (Daran wäre mein eigener fest gefasster Entschluss, kaum zu glauben, beinahe auch noch gescheitert.)

Sie hätte da eine Idee: ich könnte doch ihr Instrument nehmen...

Was haben wir gelacht!

smily


Nachtrag, eine Nacht und einen halben Tag später:
Gerade in der Waschküche auf Nachbars Waschmaschine eine Vorrichtung zum Ruhigstellen eines erwachsenen Knies gesichtet. Es fuhr heute morgen auch kein Firmenlieferwagen vor dem Haus ab. Muss ich das Projekt "anderer Leute schlechtes Gewissen entsorgen" wohl noch verschieben.


>> Bilder

Unterwegs nach Süden

Eines der Lieder, die Heinrich sich für seine Beerdigung ausgesucht hatte, ist "Unterwegs nach Süden" von Hannes Wader. Vielleicht wusste er, dass er es bald brauchen würde, dass es für ihn, der diesen lebensnotwendigen Freiraum, den Hannes Wader besingt, stets für andere zu erreichen suchte, bereits zu spät war.

Ich bin unterwegs nach Süden,
will nicht weiter bis ans Meer,
ich bin müde, will nur schlafen,
morgen, morgen schreibe ich
meine Träume auf und sehe
wie in der Vergangenheit
der Schmutz in meinen Eingeweiden,
im Rückenmark, im Hirn
begonnen hat zu faulen
und zu Gift geronnen ist.
Morgen werde ich dann wissen,
wie es heißt, woher es kommt,
und wenn ich erst den Namen kenne,
bringt dies Gift mich nicht mehr um


>> vollständiger Text

Fünf vor zwölf, buchstäblich. Das sollten wir alle uns zu Herzen nehmen.

Zugvögel


Mit Dank an plog, der zufällig dieses Lied gepostet und das schöne Foto zur Verfügung gestellt hat

In memoriam heinrich-p


Heinrich Piotrowski, 09.08.2004

Heinrich Piotrowski (16.02.1950 - 06.10.2007)

Heinrich war buchstäblich meine "beste Freundin". Keine Auseinandersetzung war ihm zu mühselig, keine Geschichte zu kompliziert oder zu langweilig, keine Stunde zu spät.

Etwas in mir weigert sich manchmal immer noch, als Tatsache anzuerkennen, dass er nicht mehr auf dieselbe Weise da und erreichbar ist wie früher, obwohl ich nach seinem Tod vor zwei Jahren den Eindruck hatte, er sei zu der Ansicht gelangt, es sei nun genug auf diese Weise und er werde schon einmal vorausgehen, um nach einem netten Plätzchen für uns alle Ausschau halten.

Ein ganz lieber Gruß geht an dieser Stelle an Gisela, Heinrichs Frau, die mir nach seinem Tod auf ihre Weise eine beste Freundin geworden ist :)

Mehr über einen bemerkenswerten Menschen ist im Gästebuch von Attac Köln nachzulesen, das seine dortigen MitstreiterInnen nach seinem Tod eingerichtet hatten: Seite 1 - 2 - 3 - 4


Mein ganz persönlicher Soundtrack eines besonderen Ostersonntags im Jahr 2007 - ein Neuanfang, zu dem Heinrich mehr beigetragen hat, als er damals wissen konnte, in der kurzen Zeit, die ihm noch blieb:

Chester Ouverture for Band




Wenn wir nicht aufhören
uns mit unseren kleinen
täglichen Sorgen
und Hoffnungen
unserer Liebe
unseren Ängsten
unserem Kummer
und unserer Sehnsucht
zu beschäftigen
dann geht die Welt unter

Und wenn wir aufhören
uns mit unseren kleinen
täglichen Sorgen
und Hoffnungen
unserer Liebe
unseren Ängsten
unserem Kummer
und unserer Sehnsucht
zu beschäftigen
dann geht die Welt unter

Erich Fried

Wahl(ver)fälschung mit System

Das ging ja gerade nochmal gut - dank Herrn Plogs wiederholter Präsentation des Themas ist mir ein wie ich gestehen muss mittlerweile erloschen gewesenes Licht aufgegangen:

Anders als der Name Erststimme suggeriert ist die eigentliche Erststimme die sogenannte Zweitstimme. Die Zweitstimme bestimmt direkt die Stärke der jeweiligen Fraktion, während die Erststimme lediglich einen Direktkandidaten bzw. eine Direktkandidatin gegen die Liste austauscht. Gewinnt der Direktkandidat bzw. die Direktkandidatin den Wahlkreis nicht, dann war die Stimme im wesentlichen verschenkt bzw. von hauptsächlich symbolischen Wert.

Wie der Spiegel bereits 1997 bemerkte:
Wer sich im deutschen Wahlrecht ein bißchen auskennt und dies auch noch anderen Leuten kundtun will, kann sehr schnell sehr einsam werden. Denn die sicherste Methode, eine muntere Gesprächsrunde zu sprengen, ist, einen kleinen Monolog über das Zustandekommen von Überhangmandaten sowie über den Unterschied zwischen Erst- und Zweitstimme zu halten. So etwas will kaum jemand wissen, was - nebenher gesagt - schon seit Jahren dazu führt, daß die FDP es immer wieder in den Bundestag schafft, und zwar, weil die Leute glauben, die Zweitstimme sei weniger wichtig und könne deshalb mildtätigen Zwecken zukommen. Selbst die tapfersten Zuhörer kramen an dieser Stelle normalerweise nach ihrem Autoschlüssel, spätestens aber ergreifen sie die Flucht bei den unglaublich öden Details der Stimmauszählmethoden nach d'Hondt und/oder Hare/Niemeyer. (>> Quelle)

Weitere Informationen zum Thema:
>> Wikipedia
>> www.wahlrecht.de


So, und nun geh ich mein Kreuzchen an den richten Stellen machen...

smilie

Urlaub :)

Gestern nacht, in einem Garten nahe I. bei P. Nicht im Bild: der satte Groove unserer Djemben :)

Lagerfeuer


Lagerfeuer


Lagerfeuer


Lagerfeuer



Heute morgen, im selben Garten nahe I. bei P. Wieder nicht im Bild: das Frühstücks-Grillgut zwei Stunden später auf der Glut des wiederbelebten Feuers.

Smilie mit Messer und Gabel

Blick in Baumkronen

erfreulicher erster Augen-Blick :)


Lagerfeuer, erloschen

erloschenes Nacht-Feuer


Lagerfeuer

wiederbelebtes Frühstücks-Feuer


Schlafstaette am Lagerfeuer

Lagerplatz - nicht im Bild: (m)ein Nachtlager, mindestens vier weitere Djemben, die nicht über Nacht geblieben waren

Verkürztes Wahlverfahren

23:27:25:
vielleicht hat deshalb auch der fdidat 20% bekommen ;-)
23:27:40:
fdp-kandidat sollte das heissen
23:28:29:
ich kreiere neue abkürzungen


Herr V. aus S. am 02.09.2009

meditatives Trommeln ;)

Sonntag nachmittag, irgendwo in Süddeutschland: Drum and Bass der etwas anderen Art. - Mit bestem Dank an momoseven, ohne die es weder die Gruppe noch die Aufnahmen gäbe :)





Bezugsquelle für Dichtungsringe für Bialetti-Espressokocher


Visitenkarte

Dort habe ich vor rund 23 Jahren meinen Espresso-Kocher Größe "1 Tasse" gekauft, den ich beinahe täglich verwende. Als die Inhaberin des Hanseatica hörte, dass ich eigens der Dichtungsringe wegen die 35 Kilometer nach Tübingen gefahren war, gab sie mir die Visitenkarte des Cafés und bot mir an, mir die Ringe zuzuschicken, wenn ich wieder welche brauche.

Abgesehen davon, dass ich auch gerne die Gelegenheit nutze, nach Tübingen zu fahren, ist das ein prima Angebot, denn die Dichtungsringe für die kleinste Kanne sind schwierig zu bekommen (das gilt auch für die diversen Internet-Versandquellen). Ich kann mir nicht vorstellen, dass es nur mir gilt.

smilie

>> Hanseatica auf qype

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Wo noch? ;)
Wo noch? ;)
zwitscherbirdie - 18. Sep, 20:26
Ballermann goes everywhere
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plog - 17. Sep, 18:16
"Das geht ab!"
30. August 2013 gegen 20:45 Uhr, rheinaufwärts...
zwitscherbirdie - 6. Sep, 19:31
Pachtey! :D
Ballermann goes Rhein (Ton: *klickaufsbild*) 31.08.2 013...
zwitscherbirdie - 6. Sep, 19:24
Stop 'n' Go
auf dem Rhein (Köln, Nähe Zollhafen) 31.08.2013.. .
zwitscherbirdie - 6. Sep, 12:54

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